Andreas Scheuss als neu gewählter Parlamentspräsident greift an ein Mikrofon

Liebe Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger,
Liebe Vertreterinnen und Vertreter der Bülacher Vereine, Organisationen und Parteien
Im Namen des Stadtparlaments darf ich Sie zum Abschluss nochmals aus der Politik begrüssen.

Liebe Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger
Sie kamen nach Bülach.
Einige von Ihnen wohnten vielleicht schon vorher im Kanton Zürich,
Einige kamen vielleicht auch aus einer anderen Gemeinde der Schweiz.
Und für einige von Ihnen ist Bülach der Ort, an dem Sie die Schweiz kennen lernen werden.

Ich selber bin vor ziemlich genau 8 Jahren nach Bülach gezogen.
Es war meine Ehepartnerin, die mich hierher führte. Sie hatte begeistert von diesem kleinen Städtchen im Unterland gesprochen.

Und Ja, Bülach kann viel bieten.
Heute können Sie viel über die „neue, alte Stadt“ mit ihrer Geschichte, ihren Vereine, ihren Institutionen erfahren.
Sie sind ja bereits auf den Kirchturm gestiegen und durch die Gassen des Stedtli gezogen.
In dieser Halle stellen sich heute viele Vereine und Organisationen vor – längst nicht alle, die es in der Stadt gibt.
Zum Beispiel können Sie sich über das grosse Angebot der Bibliothek, über den Frauenverein mit seiner Ludothek und dem überregionalen Brockenhaus.
Über die Musik-, Sing-, Kultur-, Sport- und Spielvereine, über den Naturschutzverein mit seiner neuen biodiversitätsfördernden Gartenberatung, über Transition Bülach, mit den vielfältigen Ideen und viele andere Vereine.
Dieses Wochenende finden die Jazz-Tage Bülach statt. Ende August dürfen Sie sich auf das Büüli Fescht freuen.
In dieser Halle gibt es immer wieder grosse Veranstaltungen, Kulturfestivals und Flohmärkte. Im Norden Bülachs gibt es Konzerträume.
Draussen ist die Badi – die Abkühlung werden wir in den nächsten Tagen sicher gut gebrauchen können. Auf dem Kiesplatz gegenüber stellen Zirkusse ihre Zelte auf.
Und auch auf dem Lindenhof ist immer wieder etwas los – vom Bächtelen bis hin zum 1. August.
Bülach ist fast eine 15-Minuten-Stadt. Überall ist man relativ schnell – auch ohne Auto.
Ausfahrten mit dem Velo entlang der Glatt oder Spaziergänge zu den Weilern auf den Hügeln bieten schöne Ausgleiche in der Natur.

Alles gute Gründe also, um nach Bülach zu kommen.

Denn Sie haben sich entschieden, nach Bülach zu kommen.
Sind Sie auch wegen einer Partnerin oder einem Partner gekommen?
Oder waren andere familiäre Gründe auschlaggebend?
Oder – und dass ist rein praktisch gesehen, der unspannendste aber vielleicht häufigste Grund: Sie fanden einfach eine zahlbare Wohnung, die zufällig in Bülach ist.
Sind Sie also zufällig hierher gekommen?

Kann Bülach aber vielleicht auch ihre neue „Heimat“ werden?

Keine Politikerrede ist natürlich vollständig, ohne eine bekannte – vielleicht auch wichtige oder intelligente – Person zu zitieren.
Ich wandte mich für das Thema „Heimat“ an Max Frisch, einen der bedeutesten Schweizer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
Er schrieb in seinem „Tagebuch 2: 1966-71“ Fragebögen zu verschiedenen Themen auf.
Das waren nicht irgendwelche Fragen. Er wollte zum Nachdenken, zum Hinterfagen anregen.

Unter diesen Fragebögen gibt es auch einen zum Thema „Heimat“.
Das Wort „Heimat“ ist natürlich emotional sehr aufgeladen.
Frisch war ein Schriftsteller und war sich dieser Emotionalität durchaus bewusst.
Entsprechend kritisch hat er sich mit dem Begriff „Heimat“ auseinander gesetzt.

Eine Frage aus dem Fragebogen – die 12. – lautet: „Wie viel Heimat brauchen Sie?“
Und ich frage das in diese Halle hinein.
„Wie viel Heimat brauchen Sie?“

Viele Angebote lernen Sie heute kennen.
Am Schluss interessiert Sie vielleicht gar keines davon. Vielleicht möchten Sie gar nicht viel mit anderen Bülachern – oder wie man auch sagt: „Büülemer“ – zu tun haben.
Aber vielleicht wollen sie auch aktiv in die Vereine eintreten, Musik machen, Sport betreiben, sich in Politik versuchen. Oder gar eben, Ihre Heimat hier aufbauen – was immer das genau heisst.
Natürlich ist das alles non-binär: Alle Zwischenstufen des Engagements für und der Integration in die Gemeinschaft sind denkbar.

Sie können wählen, wie sie leben wollen, hier in Bülach.
Sie können selber bestimmen, wie viel Heimat sie brauchen und wie viel Sie davon in Bülach suchen wollen.
Das ist das Schöne an einer pluralistischen Gesellschaft.

Weitere Fragen aus dem Fragebogen:
„Haben Sie eine zweite Heimat…?“
„…und wenn ja: Können Sie sich eine dritte und vierte Heimat vorstellen oder bleibt es dann bei der ersten?“

Zugegebenerweise, vor 8 Jahren als ich hier selber am Neuzuzügertag war, dachte ich nicht, dass Bülach mir eine Heimat wird.
In der Zwischenzeit ist mein Sohn hier geboren. Bald wird er in Bülach in den Kindergarten gehen. Er kennt nur noch Bülach.
Ich weiss, wo die Läden, Restaurants und Veranstaltungsorte sind.
Zudem begann ich mich immer mehr für die Öffentlichkeit zu engagieren. Zuerst innerhalb einer Partei und dann direkt für die Stadt im Stadtparlament.
Es ist ein grosses und interessantes Engagement. Denn glauben Sie mir: als Lokalpolitiker kann man keine grossen Lorbeeren gewinnen. Dafür kann man aber mitgestalten, die Ideen einbringen, Kompromisse schliessen. Wie das alles geht, können Sie an den Ständen der Parteien nachfragen.
Dieses Freiwilligenarbeit für die Gemeinschaft – das Einbringen der vielen, verschiedenen Ideen.
Das verbindet mich fest mit Bülach.
Und Ja, Bülach ist damit zu meiner zweiten Heimat geworden.

Was das genau für mich bedeutet?
Ich kann von überall hier zurückkommen und mich hier wohl fühlen.
Ich kann und will mich für die Stadt und die Menschen darin engagieren und uns als Gesellschaft weiter bringen.
Und ich kann auch einfach nur durch die Gassen der Altstadt, die Quartierstrassen oder die vielen, schönen Feldwege gehen und einfach leben.

Was es für Sie bedeutet, müssen Sie selber beantworten.
Vielleicht fanden Sie heute erste Ideen.

So, sie haben es jetzt geschafft. Keine grosse Rede wird Sie noch am Mittagessen oder am Besuch der Stände hindern.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Ausklang des Neuzuzügertages 2025 und dann ein wunderschönes Wochenende.

Und vielleicht sieht man sich bald einmal im Stedtli, im Guss oder auf dem Weg nach Eschenmosen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.